ACHT FRAGEN AN…

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Folge 2: Jan Endrigkeit, Abteilungsleitung Lacrosse

Mit der Reihe „Acht Fragen an…“ bitten wir Menschen aus dem Verein um Antworten auf acht Fragen zu ihrem Sport. Heute fragen wir Jan Endrigkeit, Abteilungsleiter „Lacrosse“, einer alten indianischen Sportart.

SVHU: Hallo Jan, du leitest die Abteilung einer Sportart, die für viele von uns gänzlich unbekannt ist. Lacrosse ist eine alte indianische Sportart. Was ist der Reiz an diesem Sport. Kannst du uns das Spiel mit wenigen Worten erklären und was hat dich zum „Lacrosse-Spieler“ gemacht?

Jan: Lacrosse vereint viele Merkmale verschiedener Sportarten. Kurz erklärt geht es auch beim Lacrosse darum, als Mannschaft auf dem Platz Tore zu schießen und das gegnerische Team eben daran zu hindern. Lacrosse ist schnell, koordiniert, erfordert hohen Teamgeist und wird mit Körpereinsatz gespielt. Den faustgroßen Ball mit dem Lacrosse-Schläger zu fangen und v.a. kontrolliert zu werfen, benötigt ein gewisses Geschick und Hand-Auge- Koordination.

Ich selbst bin vor über 20 Jahren auf der Suche nach einem etwas anderen Mannschaftssport  auf Lacrosse gestoßen und es hat mich nicht mehr losgelassen.

SVHU: Ab welchem Alter kann man Lacrosse spielen und was müssen Neugierige mitbringen, um bei euch mitmachen zu können?

Jan: Unsere jüngsten Spieler sind 8-9 Jahre alt. Ich zeige Lacrosse auch gerne schon Jüngeren, eine gewisse körperliche Entwicklung bzw. Körperkontrolle sollte aber schon vorhanden sein. Neugierige brauchen nur Sportsachen (aktuell warme Klamotten, wir sind durchweg draußen) und sollen sich auf Neues einstellen können. Es kann gerade am Anfang frustrieren, wenn man nicht direkt den Ball fangen und werfen kann. Innerhalb der ersten 1-3 Trainings habe ich es aber bisher immer geschafft, genau das zu vermitteln.

SVHU: Um Lacrosse spielen zu können, benötigt man ja eine besondere Ausstattung, oder? Was braucht man und was kostet eine solche Ausstattung?

Jan: Lacrosse unterscheidet sich in Damen und Herren Lacrosse bzw. Jungs und Mädchen. Wo die Mädchen nur einen Schläger und eine Schutzbrille benötigen, die jeweils 30-50,- EUR in den Einstiegsmodellen kosten, benötigen die Jungs schon etwas mehr.

Jungs und Herren benötigen neben dem Schläger einen speziellen Lacrosse-Helm, gepolsterte Handschuhe, Arm- sowie Schulter-Pads. Eine Grundausstattung im Jugendbereich kostet ca. 260-300,- EUR . Dies soll aber nicht abschrecken, wir als Verein haben für Neueinsteiger immer Ausrüstungen vorrätig, die wir auch für die ersten Monate an die Spieler verleihen.

SVHU: Wenn man einen Mannschaftssport betreibt, dann möchte man sich ja auch gerne mit anderen Teams messen. Ich kann mir vorstellen, dass die Sportart noch nicht so sehr verbreitet ist. Irre ich mich da? Gegen wen spielt ihr denn so und wie organisiert ihr euren Spielbetrieb?

Jan: Der Spielbetrieb ist in Deutschland in einem Ligasystem organisert. Wir, die HULX (steht für Henstedt-Ulzburg Lacrosse) sind mit den Jungs in der nord-ostdeutschen Jugendliga gemeldet, unsere Mädchen werden vorerst in einer Spielgemeinschaft mit anderen Vereinen im Ligabetrieb spielen können. Durch Corona sind unsere Spielpläne stark beeinträchtigt worden, wir hatten gerade den Spielbetrieb im Herbst 2019 angetreten, die Rückrunde im Frühjahr 2020 ist schon ausgefallen. Auch wenn die Liga dieses Jahr schon läuft, freuen wir uns darauf, im kommenden Frühjahr zur Rückrunde den Betrieb wieder aufzunehmen. Die Jugendmannschaften in Deutschland sind sehr volatil in der Entwicklung und es gibt leider noch immer nicht viele Vereine, die eigenständige Mannschaften stellen können. Dies hat natürlich den Vorteil, das sich bestehende Mannschaften schnell auch für die deutschen Meisterschaften qualifizieren. Und ist das nicht eines der tollsten Ziele, die ich als junger Sportler haben kann?  

SVHU: Auf eurer Homepage habe ich gelesen, dass es einen gravierenden Unterschied im Regelwerk für männliche und weibliche Teams gibt, die man von anderen Mannschaftssportarten nicht kennt. Bei weiblichen Teams ist Körperkontakt nicht erlaubt, bei männlichen Teams schon. Warum gibt es diese Unterschiede im Regelwerk?

Jan:  Diese gravierenden Unterschiede sind historisch bedingt. Lacrosse hat seinen Ursprung bei den nordamerikansichen Ureinwohnern und war hier den männlichen Spielern vorbehalten.  Dies hat sich dann in Nordamerika weiterentwickelt. Die Damenvariante des Lacrosse entwickelte sich  in Großbritannien, basierend auf dem gleichen Spielprinzip, also Schläger-Ball-Mannschaft-Tor.

SVHU: Welche Trainingsgruppen habt ihr beim SVHU denn für Neugierige im Angebot? Kann jeder zum Schnuppern vorbei kommen?

Jan:  Offiziell haben wir 2 Trainingsgruppen, Kinder/Jugendliche bis 16 und Erwachsene ab 16 Jahre. Aktuell trainieren wir alle zusammen und es ist unglaublich toll, wie gut das funktioniert. Unsere Größeren unterstützen die Kleinen und helfen, werden aber trotzdem in den Trainingsübungen entsprechend gefordert. Und in Trainingsspielen bekommen die Kleinen dann die Erfolgserlebnisse, auch die Großen zu besiegen.

Momentan haben wir Spieler zwischen  8 – 55 Jahre, du siehst , die Bandbreite ist groß und offen für jeden. Als relativ kleine Abteilung können wir uns das gemeinsame Training noch erlauben und jeder ist willkommen. Wenn wir in die Situation kommen, dass wir eine entsprechende Gruppenstärke erreichen, dann kümmern wir uns um die Trennung der Trainingsgruppen. Wobei wir nicht die Struktur anderer Lacrossevereine haben, die klar nach Damen und Herren und dann noch nach Mädchen und Jungen trennen. Dies sehe ich bei uns im Verein nicht.

SVHU:  Wenn du drei Wünsche für deine Sportart frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Jan:  Ganz klar: 1. wieder olympisch zu sein (wir Lacrosser sind auf dem besten weg dahin) 2. ein breiteres Interesse an Lacrosse, z.B. von Schulen. Wenn Lacrosse im Sportunterricht gelehrt und gespielt wird, und das ist recht einfach möglich, würden sich auch viel mehr Kids für meinen Sport interessieren und 3. leichterer Zugang zu Lacrosse-Ausrüstung: Nach wie vor muss ich alles Online kaufen und habe nicht die Möglichkeit, Handschuhe, Armpads etc. einfach mal anzuprobieren. Es gibt zwar einen Händler in Deutschland, und dieser tut auch sein möglichstes, alle Ansprüche zu befriedigen. Ich habe aber nicht die Chance, nach Hamburg/Berlin/Frankfurt/München oder in eine andere Stadt zu fahren, in ein Geschäft zu gehen, und mich einfach mal umzuschauen, was es so gibt, geschweige denn Sachen anzufassen.

SVHU:  Fühlst du dich mit deiner Abteilung beim SVHU gut aufgehoben oder gibt es etwas, was der Verein für Lacrosse aus deiner Sicht noch tun müsste?

Jan:  Vor ziemlich genau 5 Jahren kamen mein damaliger Teamkollege Mike und ich auf die etwas verrückte Idee, im SV-HU eine Lacrossesparte anzubieten (WOW, wir haben gerade fünfjähriges Jubiläum!!!). Von Anfang an wurden wir mit Allem unterstützt und von allen freundlich aufgenommen. Wir fühlen uns vom ersten Tag an gut aufgehoben und ich bereue es in keinster Weise, diesen Schritt getan zu haben. Ad Hoc gibt es nichts, wo ich mir mehr Einsatz vom Verein Wünsche, wie andere Sparten auch, würden wir uns aber über etwas mehr Entscheidungsfreudigkeit und -geschwindigkeit  außerhalb des Vereins bei Belangen wünschen, die den Verein betreffen.