ACHT FRAGEN AN…

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Folge 1: Christian Gosch, Trainer der FROGS-LADIES, 3. Liga

Mit der Reihe „Acht Fragen an…“ wollen wir Sportlerinnen und Sportlern, Trainerinnen und Trainer, Abteilungsleitungen, Vorstände oder auch mal Edelfans und Sponsoren mit acht Fragen spannende Antworten zu einem aktuellen oder auch allgemeinen Thema entlocken.

In der ersten Folge fragen wir Christian Gosch, Trainer der 1. Frauenhandball mannschaft des SVHU und erfahren, was hinter dem Geheimnis des überraschen erfolgreichen Saisonstarts in der 3. Bundesliga steckt, was er vom Strategiepapier des DHB für die Entwicklung des Frauenhandball hält, etwas über die kommende Herausforderungen und ob höhere Ziele schon jetzt angepeilt werden.

SVHU: Hallo Christian, du bist nun schon im vierten Jahr Trainer der „Frogs-Ladies“ in der 3. Frauenhandball Bundesliga. Nach der langen unfreiwilligen Corona-Pause hat dein Team in den ersten sechs Spielen sechs Siege eingefahren und ein ordentliches Polster an Tordifferenz aufgebaut. Die Mannschaft dreht damit aktuell ziemlich einsame Kreise an der der Tabellenspitze. Wie erklärst du dir diesen bisher beeindruckenden Saisonverlauf?

Christian: Hallo, so richtig kann ich es mir auch noch nicht erklären. Wir spielen bisher jedes Spiel sehr gut und bringen eine ungewohnte Konstanz auf die Platte. Die Mädels haben trotz der Pause einen großen Schritt nach vorne gemacht, insbesondere was unseren Angriff angeht. Unsere Abwehr war bereits in den letzten Jahren sehr gut.

SVHU: Was zeichnet dein Team aus deiner Sicht gegenüber der Konkurrenz in der Liga so sehr aus? Was macht den Unterschied?

Christian: Ich kann schlecht beurteilen, wie es bei unseren Konkurrenten läuft. Ich weiss nur, dass meine Mädels einen extremen Teamgeist haben und dadurch derzeit alles einfacher läuft. Zudem arbeiten wir mit diesem Team seit ein paar Jahren zusammen, so dass die Automatismen immer besser sitzen. Wenn dann die Ergebnisse noch so sind, wie derzeit, macht es allen natürlich umso mehr Spaß.

SVHU: Ja, das gilt für die Mannschaft wie für die Fans. Bei einigen Spielerinnen aus dem Team habe ich sowohl im Abwehr- als auch im Angriffsverhalten einen großen Entwicklungssprung festgestellt. Das ist bemerkenswert wenn man bedenkt, dass Corona quasi ein Jahr Wettkampfpause mit sich brachte. Wie erklärst du dir das?

Christian: Es ist nun mal so, dass die Trainingszeit mehr Einfluss auf die Entwicklung hat als die Punktspiele, da viel mehr Zeit im Training verbracht wird. Bedingt durch die Corona-Einschränkungen und den Wegfall der Spiele haben wir in diesem Jahr extrem viel Techniktraining gemacht. Zudem haben sich die Mädels auch im Lockdown durch die online-Trainings mit unserem Athletiktrainer Markus Tröger und unserem Mentaltrainer Karsten Voß absolut fit gehalten. Da wir eine junge Mannschaft haben, müssen diese Entwicklungsschritte auch folgen.

SVHU: Das zeugt ja aber doch auch von einer Top-Einstellung des Teams zu ihrem Sport. Die 3. Liga ist in sechs Staffeln (A bis E) mit 12 oder 11 Teams eingeteilt. Die ersten zwei erreichen die „Aufstiegsrunde“ und die hinteren fünf oder sechs Teams müssen sich in der Abstiegsrunde behaupten. Die Plätze 3 bis 6 haben den Klassenerhalt sicher. Im Moment sieht es nicht so aus, als würde die Abstiegsrunde drohen. Der bisherige Verlauf lässt ja eher auf einen der vorderen Plätze hoffen, vielleicht ja sogar auf einen der ersten beiden Plätze. Wie würde es in dem Fall weitergehen?

Christian: Sollten wir einen der ersten beiden Plätze erreichen, könnten wir an den Aufstiegsspielen zur 2. Liga teilnehmen. Grundsätzlich finden diese in 4er-Gruppen statt, aus denen ein Team aufsteigen kann.

Diese Aufstiegsrunde ist für uns aber noch gar kein Thema, da wir erst sechs Spiele hinter uns haben und noch viel passieren kann. Es ist derzeit schön, den Platz an der Sonne innezuhaben, dennoch ist unser primäres Saisonziel weiterhin, die Abstiegsrunde zu vermeiden. Denn dann hätte der Verein frühzeitig Planungssicherheit für die 3. Liga.

SVHU: Natürlich ist es für Spekulationen noch zu früh. Aber mal angenommen dein Team behält den Schwung bei und besetzt am Ende einen Aufstiegsplatz für die 2. Handballbundesliga. Wäre das Team bereit für die Herausforderungen in einer eingleisigen zweiten Bundesliga? Das ist ja auch mit einer hohen persönlichen Belastung einhergehend.

Christian: Wie bereits gesagt, ist die 2. Liga bei uns noch kein Thema. Zudem würden in der Aufstiegsrunde Mannschaften warten, die als ganz klares Saisonziel den Aufstieg haben und auch dementsprechend aufgestellt sind.

Die Herausforderungen, egal ob zeitlich, sportlich oder finanziell, würden in der 2. Liga stark steigen. Wir setzen uns damit auseinander, wenn es absehbar ist. Das sollte der Verein auch tun. Aber noch ist es nicht soweit.

SVHU: Jule Meisner verlässt den SVHU nach der Saison in Richtung Buchholz/Rosengarten. Die „Luchse“ spielen in der 1. Bundesliga. Der SVHU hat schon viele Spielerinnen von der 3. Liga in die 2. und 1. Liga abgegeben und jedes Mal entsteht dadurch eine Lücke, die wieder gestopft werden muss. Gibt es schon Gedankenspiele, wie Jules Abgang im Rückraum und in der Abwehr kompensiert werden könnte und das Team gleichzeitig für kommende Aufgaben gestärkt wird?

Christian: In den letzten Jahren haben wir unsere Abgänge nach oben immer mit jungen Spielerinnen ersetzt und diese entwickelt. Jule ist ja auch nach dem Abgang von Marleen Kadenbach zu uns gestoßen. Jules Abgang wird nur schwer zu kompensieren sein, da sie eine starke Entwicklung genommen hat und absolute Stammspielerin ist. Natürlich schauen wir uns nach Spielerinnen um, bräuchten aber schon eine gestandene Spielerin als Ersatz, was schwer machbar sein wird. Daher müssen wir insbesondere unsere eigenen Mädels wie Caro, Emmie und Nele weiter fördern und diese müssen den nächsten Schritt machen. Perspektivisch muss der SVHU seine Nachwuchsförderung stärken um in Zukunft weiter eigene Talente zu entwickeln.

SVHU: Ist der SVHU für Spielerinnen eine attraktive Adresse oder fehlt noch etwas, um z.B. gegen Uni-Standorte wie Flensburg und Kiel anzukommen und Sportlerinnen für uns zu gewinnen?

Christian: Dem Team wird ein gutes Umfeld geboten. Es ist in der 3. Liga auch schwer zu vergleichen, da es Vereine gibt, die wesentlich schlechtere Bedingungen bieten, andere wiederum bieten wesentlich professionellere Bedingungen.

Unser Problem ist es, dass Kiel zu weit weg ist und Spielerinnen die z.B. nach HH zum Studium kommen, nicht an den SVHU denken, da wir auch da etwas weit weg sind. Wir können eigentlich nur durch gute Leistungen auf uns aufmerksam machen und versuchen, das Umfeld für die Mädels und den Handball weiter zu verbessern. Der Sport muss natürlich für die Spielerinnen mit der beruflichen Entwicklung oder eben dem Studium in Einklang zu bringen sein. Entsprechende Möglichkeiten vor Ort könnten vielleicht auch helfen.

SVHU: Der DHB (Deutscher Handballbund) hat ein Strategiepapier für die Reform des Frauenhandballs auf den Weg gebracht. Demnach soll die 3. Bundesliga zweigleisig werden und von heute 70 Teams bis 2024/2025 auf 32 Teams schrumpfen. Was hältst du von diesem Papier und wie glaubst du, sollte sich der SVHU HANDBALL darauf einstellen?

Christian: Die Strukturreform hat einige gute Punkte, aber der Umgang mit der 3. Liga ist zu sehr von oben herab gedacht. Durch die Reduzierung und die geplante Zweigleisigkeit der Liga wird sich das Niveau der 3. Liga zwar steigern, der Aufwand in der Liga wird aber zunehmen und für viele Vereine nicht mehr zu stemmen sein. Dann werden teure Auswärtsfahrten nach Osten, Westen und Süden mit Distanzen bis zu 500 oder 600 km anstehen.

Der Verein muss sich entscheiden, ob der größere Aufwand dann wirtschaftlich tragbar ist oder ob man in die Oberliga geht und sich vom Frauenhandball auf DHB-Ebene endgültig verabschiedet und damit dann auch von der Talentförderung und sportlichen Perspektive für junge Sportlerinnen im Ort und in der Umgebung. ch würde mich freuen, wenn der Verein weiter diese Perspektive bieten kann und der Handball in Henstedt-Ulzburg auch noch in einigen Jahren ein Zuhause hat.

SVHU: Lieber Christian, das waren meine acht Fragen an dich. Vielen Dank für die Einblicke und Einschätzungen. Wir alle freuen uns auf die weiteren hoffentlich erfolgreichen Spiele der FROGS-LADIES. Wir sind gespannt was in den nächsten Wochen und Monaten noch von euch zu sehen sein wird. Viele Grüße an deine Mannschaft und immer eine Schicht Backe am Ball.

(„Acht Fragen“ wurden gestellt von Wulf Winterhoff)